Beim Start 2008 kostete ein Bitcoin gerade einmal 80 Rappen! Im laufenden Jahr hat sich der Bitcoin-Preis in US-Dollar bereits wieder um über 17 Prozent verteuert. In den letzten fünf Jahren hat der Preis um atemberaubende 1100 Prozent zugelegt. Das System funktioniert jedoch nur, solange ständig neue Teilnehmer einsteigen.
Reines Spekulationsobjekt
Ein Unternehmen forscht, entwickelt und vertreibt Produkte oder Dienstleistungen für unzählige Menschen in aller Welt. Für das Risiko werden die Eigentümer mit Dividenden und in der Regel langfristig steigenden Aktienkursen entschädigt. Anders verhält es sich beim Bitcoin. Der heutige König der Kryptowährungen wurde aus dem Nichts geschaffen. Käufer resp. Spekulanten beteiligen sich weder an einer unternehmerischen Leistung, noch gibt es direkte Erträge. Auch partizipieren Bitcoin-Inhaber nicht am Potenzial der Blockchain-Technologie. Der märchenhafte Aufstieg des Bitcoin-Kurses basiert also allein auf Glauben und Hoffnung. Bitcoin ist ein reines Spekulationsinstrument.
Kein Nutzen für die Welt
Als hauptsächliche Daseinsberechtigung von Bitcoin nennt die Kryptocommunity die Funktion des Inflationsschutzes. Es ist richtig, dass sich der kaufkraftbereinigte Wert der gängigsten Währungen im Laufe von 100 – 200 Jahren gegen null bewegt. Wer im Jahr 1850 den Betrag von 100 Schweizer Franken unter seine Matratze gelegt und das Geld über 175 Jahre nie in Aktien, Obligationen oder andere Werte investiert hat, der besitzt heute noch einen Fünfliber. Deshalb ist es unerlässlich das Geld anzulegen. Dazu braucht es aber keinen Bitcoin, sondern in erster Linie fleissige Menschen, die in Unternehmen arbeiten, jeden Tag Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen und Wertschöpfung generieren.
Die Ursprungsidee von libertären Bitcoin-Enthusiasten war es, der staatlichen Aufsicht, dem traditionellen Währungssystem und einem potenziellen Staatsbankrott zu entfliehen. Das Ziel wurde jedoch komplett verfehlt. Kaum jemand bezahlt heute seinen Einkauf an der Supermarktkasse, sein Auto, seinen Urlaub oder gar den Coiffeur mit Bitcoin.
Schneeballsysteme lassen grüssen
Bitcoin wird als die Mutter aller Spekulationsblasen in die Finanzgeschichte eingehen. Sie erinnert an die Tulpenmanie im 17. Jahrhundert (Tulpen waren damals mehr wert als Gold) und an Ponzi- resp. Schnellballsysteme. Sie funktionieren so lange, wie sich neue Anhänger finden lassen, die das System mittragen und weiterverbreiten. Die sektenähnliche Kryptocommunity ist mit Heerscharen von Influencern sowie einer zunehmenden Zahl von Kryptokonferenzen hervorragend vernetzt. Sie sorgt dafür, dass die Zahl der „Gläubigen“ weiter zunimmt.
Dieses Jahr wird ein Kurs von 180‘000 – 200‘000 US-Dollars angepeilt. Bereits in wenigen Jahren soll der Bitcoin die Millionengrenze knacken. Wenn es der Community weiterhin gelingt, „Gläubige“ in Scharen anzulocken (und davon ist auszugehen, wenn nun schon Schweizer Kantonalbanken als Käufer auftreten), ist das Erreichen dieses Ziels realistisch, so dass die grösste Blase der Finanzgeschichte noch lange nicht platzen wird. Das ändert jedoch nichts daran, dass der Bitcoin kaum Nutzen stiftet, die Illusion schürt, ohne Arbeit schnell reich zu werden und der intrinsische Wert aller Bitcoins dieser Welt bei null liegt.
Quellen: Bloomberg, Baha, FuW