Accelleron: Mit Turboladern in die Zukunft

8. Oktober 2023

ABB spaltete im Herbst letzten Jahres sein Geschäft mit Turboladern ab. Da die westliche Welt praktisch nur noch auf grüne Technologien und erneuerbare Energien schielt und Diesel als out gilt, passte die Sparte „Turbocharging“ nicht mehr zur ABB-Strategie und kam am 3. Oktober 2022 als „Accelleron“ an die Schweizer Börse.
Verbrennungsmotoren leben weiter
Es ist also für den CEO Daniel Bischofberger als Chef und Ambassador von Accelleron keine leichte Aufgabe, Turbolader mit Verbrennungstechnologie als „Ding der Zukunft“ bei Kunden und Investoren beliebt zu machen. Was genau macht ein Turbolader? Er hat die Aufgabe, die Verbrennungsluft, die dem Motor zugeführt wird, zu verdichten. Im Vergleich zu Saugmotoren wird damit eine wesentlich bessere Füllung der Zylinder erreicht. Auf diese Weise ergibt sich eine höhere Motorenleistung bei gleichzeitig niedrigerem Verbrauch und besseren Emissionswerten. Auch wenn es die „grünen Ideologen“ nicht gerne hören: Die neuen (grünen) Technologien sind noch nicht effizient genug, um fossile Brennstoffe vollständig abzulösen – noch lange nicht! Deshalb ist es unumgänglich, die Verbrennungsmotoren effizienter und emissionsärmer zu machen. Diese sind vielleicht bei den Personenwagen vom Aussterben bedroht, jedoch nicht in Segmenten, welche Grossmotoren benötigen, wie beispielsweise die Schifffahrt.
Marine-Geschäft als Kernmarkt
Diese muss sich allerdings auch der Energiewende stellen, denn sie gehört zu den grössten Klimasündern (drei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoss) des Planeten. Aber auf absehbare Zeit kann in der Marine nicht auf grosse Verbrennungsmotoren verzichtet werden, da ein Elektroantrieb nicht realisierbar ist. Für einen Kahn müssten die Batterien so riesig sein, dass diese das Schiff eher versenken als antreiben würden. Ein Bespiel: Ein Frachter mit einer Leistung von 100‘000 Pferdestärken, der von China nach Europa fährt, verbraucht rund 40 Gigawattstunden. Dafür müsste das AKW Leibstadt eineinhalb Tage Strom produzieren. Somit ist und bleibt das Marine-Geschäft für Accelleron der Kernmarkt. Mehr als 50 Prozent des Umsatzes entfallen heute auf Turbolader für Container-Schiffe und Tanker.
Die Branche setzt also weiter auf Verbrennungsmotoren, die allerdings nicht mehr mit Schweröl, Schiffsdiesel oder Flüssiggas, sondern mit klimaneutralen Treibstoffen (Wasserstoff, Methanol oder Ammoniak) betrieben werden sollen. Darauf setzt auch CEO Daniel Bischofberger, denn Motorenbauer können nicht auf Einspritzsysteme und Turbolader verzichten, was auch immer in einem Motor verbrannt wird. Da die internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) bis 2050 die Flotten klimaneutral gestalten will, werden Turbolader zur effizienteren Nutzung von Dieselmotoren bei gleichzeitig tieferen Emissionswerten weiterhin stark nachgefragt bleiben.
Kurspotenzial von rund 30 Prozent
Im vergangenen Jahr betrug das organische Wachstum für das Gesamtjahr knapp 12 Prozent, im ersten Halbjahr dieses Jahres ist der Umsatz um über 20 Prozent gestiegen. Accelleron profitiert von der regen Nachfrage der Werften und Motorenhersteller, die den hohen Auftragsbestand für neue Handelsschiffe abarbeiten. Aber auch der Bedarf an Turboladern für Dieselmotoren, die Gaskompressionen antreiben, ist weiter auf hohem Niveau. Im nächsten Jahr ist zwar mit mässigerem Wachstum zu rechnen, doch der Gewinn wird sich deutlich verbessern, da die Sonderkosten für die Abspaltung von ABB wegfallen. Mit der soliden Bilanz, der hohen Prognosesicherheit seiner Gewinne aufgrund des grossen Umsatzanteils des Servicegeschäfts (Turbolader müssen regelmässig gewartet werden) und seiner starken Rentabilität bleibt Accelleron ein hochgradig cash-generierendes Unternehmen. Die hohe Rendite auf das investierte Kapital (> 35 %) und steigenden Dividendenausschüttungen (Dividendenrendite aktuelle bei über drei Prozent) sprechen zudem für ein Engagement. Ein Kursziel von 30 Schweizerfranken in den nächsten 12 Monaten ist durchaus realistisch. Dies entspricht einem Kurspotenzial von rund 30 Prozent.

Quellen: Finanz & Wirtschaft, Handelszeitung, Bank Vontobel, Bloomberg

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