Die Rekordjagd des Goldpreises – bis auf ein vorläufiges Allzeithoch von USD 3‘430 – legt vorerst eine Pause ein. Aktuell beträgt der Preisanstieg dieses Jahr rund 26 Prozent. In den letzten fünf Jahren hat sich der Preis (USD/UZ) nahezu verdoppelt. Es treten jedoch vermehrt Risiken auf den Plan, die den goldenen Höhenflug bremsen könnten. Silber ist mittelfristig der interessantere Markt.
Grossanleger kaufen Gold-Futures
Gold ist der diversifizierende, sichere Hafen, in den sich Investoren flüchten, wenn die Aktienkurse fallen und geopolitische Risiken die konjunkturelle Entwicklung bedrohen. Derzeit reagiert der Goldpreis vor allem auf die Politik der US-Regierung. In der Vergangenheit wurde der Preis stärker von der Zinsentwicklung und der Entwicklung des US-Dollars beeinflusst.
In den letzten zwölf Monaten haben vor allem Grossanleger wie Hedge Funds Gold-Futures gekauft. Gold-Futures sind Wetten auf den Goldpreis, ohne dass der Investor jemals Gold besitzt. An der Rohstoffbörse CME in Chicago wechseln so täglich mehr als 765 Tonnen Gold den Besitzer, zumindest auf dem Papier (synthetisch). Im physischen Goldmarkt sind die Zahlen deutlich kleiner. Dort wird in einem Jahr so viel nachgefragt, wie die CME in sechs Tagen verschiebt! Noch geringer ist das Volumen in mit Gold hinterlegten ETFs.
Steigende Nachfrage, aber auch steigende Risiken
Insgesamt steigt die Gold-Nachfrage. Investoren kaufen derzeit lieber Gold als Staatsschulden. Die USA können kaum ihren Verpflichtungen nachkommen, und die Schuldenobergrenze kann auch nicht beliebig erhöht werden. Das macht US-Staatsanleihen unattraktiv, weil sie nicht mehr neutral und risikofrei sind – ganz anders als Gold.
Auch die Zentralbanken erhöhen ihren Goldbestand. Bereits seit dem Start des sogenannten „Quantitative Easing“ als Reaktion auf die Finanzkrise 2007 bis 2009 kaufen Zentralbanken (speziell in Schwellenländern) vermehrt Gold, um sich unabhängiger von Leitwährungen wie dem US-Dollar zu machen. Auch die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Zentralbankkäufe noch einmal deutlich zulegten.
Trotzdem ist Vorsicht geboten. Die wirtschaftliche Lage wird sich mittelfristig stabilisieren, geopolitische Unsicherheiten können abnehmen und der Trend bei der Inflation zeigt klar Richtung Süden. Zudem motiviert der derzeit hohe Preis die Produzenten ihre Förderung auszuweiten, was einen Angebotsüberhang auslösen kann, da es ohnehin bereits genug Gold auf der Welt gibt.
Sollten diese Szenarien ins Blickfeld resp. Bewusstsein der Grossinvestoren geraten – und diese sind hauptsächlich verantwortlich für den Preisanstieg der letzten Monate – wird auf den Verkaufsknopf gedrückt. Es ist also nicht die physische Nachfrage der Zentralbanken, Schmuckindustrie oder ETFs, die den Goldpreis hauptsächlich bewegen, viel mehr wird das „Schicksal“ des gelben Edelmetalls am Derivatemarktplatz CME entschieden. Trotzdem gehört Gold als Absicherung gegen unvorhersehbare resp. extreme Ereignisse in jedes Portfolio. Von einer Übergewichtung ist derzeit jedoch abzuraten.
Silber hat Aufholpotenzial
Während bei Gold die Risiken einer Preiskorrektur zunehmen, verfügt ein anderes Metall über Luft nach oben: Silber. Eine Unze kostet derzeit rund USD 33.00 (plus 15 Prozent in 2025). Damit liegt das Gold-Silber-Verhältnis (Gold/Silber-Ratio), das angibt, wie viele Unzen Silber es braucht, um eine Unze Gold zu kaufen, bei rekordverdächtigen 100. Der Durchschnittswert der letzten 10 Jahre liegt bei etwa 65.
Silber ist längst nicht mehr nur Wertanlage, sondern auch ein Industriemetall. Die moderne Wirtschaft kann ohne Silber nicht funktionieren. Die schwache Konjunkturlage war bis jetzt ein Hindernis für den Silberpreis. Der nächste Aufschwung wird aber kommen. Zudem wird der globale Silbermarkt 2025 das fünfte Jahr in Folge ein physisches Defizit verzeichnen. Deshalb ist Silber in den nächsten Monaten der interessantere Markt als Gold. Der Preis wird den historischen Höchststand von USD 50 pro Unze wieder erreichen. Die Frage ist hier nicht ob, sondern wann.
Quellen: Bloomberg, Baha, FuW, The Silber Institute