Der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern Roche ist in unruhiges Fahrwasser geraten. Die Einnahmen aus Coronaprodukten werden 2023 um rund fünf Milliarden Schweizerfranken zurückgehen. Zudem verlieren mehrere Produkte den Patentschutz und werden von Nachahmerprodukten bedrängt. Dadurch verlieren die Basler weitere 1.6 Milliarden Schweizerfranken an Einnahmen.
Entwicklungsfehlschläge
Viel schwerwiegender lasten die jüngsten zwei Entwicklungsrückschläge auf den Roche-Papieren: Ein neuartiger Wirkstoff konnte das Fortschreiten von Lungenkrebs gegenüber der Standardtherapie nicht signifikant bremsen. Zudem hat ein hoffnungsvolles Alzheimermittel dem geistigen Verfall der Testpersonen nicht wirksam entgegengewirkt. Analysten und Pharmaexperten hatten in beiden Produktkandidaten ein Multimilliarden-Potenzial gesehen. Beide Kandidaten haben zwar noch eine letzte Erfolgschance, der Markt glaubt jedoch nicht mehr daran. Der Kurs des Roche GS ist in den letzten 12 Monaten um fast 30 Prozent gefallen. Somit scheinen nun aber viele negative Aspekte eingepreist zu sein.
Turnaround durch Einkaufstour
Der neue CEO und ehemalige Leiter der Diagnostik-Sparte Thomas Schinecker wird mit Hochdruck der drohenden Stagnation entgegenwirken. Aus eigener Kraft scheint dies jedoch kaum machbar. Somit bleibt für Roche praktisch nur der Weg über den Kauf von fortgeschrittener Entwicklungsprojekte. Roche hat per Ende 2022 Nettoschulden von lediglich 15.6 Milliarden Schweizerfranken ausgewiesen. Angesichts des freien Cashflows von 13 Milliarden Schweizerfranken könnte Roche problemlos grössere Akquisitionen stemmen. Solche Zukäufe wären allerdings eine Abkehr von der Praxis der vergangenen Jahre, als Roche nur kleinere Übernahmen vorgenommen hat und auf Kollaborationen in frühen Entwicklungsstadien gesetzt hat. Aktuell pflegt das Unternehmen rund 250 solcher aktiven Partnerschaften. Viele davon werden scheitern, aber da frühe Projekte relativ günstig sind, müsste die Strategie längerfristig aufgehen. Ebenfalls langfristig positiv wird sich die kürzlich angekündigte Ausweitung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf fast 15 Milliarden Schweizerfranken auswirken.
Roche GS bleibt Kernanlage
Kurz- und mittelfristig könnte den Roche-Papieren ein grösserer Deal Schwung verleihen. Laut Roche-Sprecherin Sileia Urech ist ein solcher nicht mehr auszuschliessen. Die solide Bilanz und der immer noch hervorragende freie Cashflow verleihen Roche diesbezüglich die nötige Flexibilität. Das Management um CEO Schinecker arbeitet daran, Roche bald in einem positiveren Licht erscheinen zu lassen und nachhaltiges Wachstum nach Basel zurückzubringen. Bis dahin werden die Aktionäre von der knapp vierprozentigen Dividendenrendite getröstet. Roche bleibt als Kernanlage im Portfolio.
Quellen: Finanz & Wirtschaft, Bloomberg